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Medizinische Entscheidungen am Lebensende: Häufigkeit und Trends in der Schweiz

 

Medizinische Entscheidungen, die direkten Einfluss auf die Lebensdauer des Patienten haben, werden durch den medizinischen Fortschritt immer häufiger. Das Projekt untersucht die Praxis der Entscheidungsfindung bei lebensverlängernden oder -verkürzenden Massnahmen in der Schweiz.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Medizinische Versorgung und lebensverlängernde Massnahmen am Lebensende sowie das Recht auf Selbstbestimmung werden in der Bevölkerung und der Politik seit Jahren breit diskutiert. Neben ethischen Aspekten wird auch zunehmend die Frage nach der Finanzierbarkeit gestellt, zumal aufgrund des medizinischen Fortschritts der Sterbeprozess von Patienten stetig verlängert werden kann. Verlässliche Informationen zur effektiven Praxis ärztlicher Entscheide am Lebensende sind jedoch nur selten vorhanden. Es ist anzunehmen, dass die Entscheidungsfindung nicht nur medizinisch definiert, sondern auch durch kulturelle Normen und Einstellungen von Patienten, Angehörigen sowie behandelnden Ärzten beeinflusst wird.

Ziel

Das Projekt soll gültige und aktuelle Informationen über die Art und Häufigkeit medizinischer Entscheidungen am Lebensende in der Schweiz liefern. Dabei werden Vergleiche zwischen den Sprachregionen der Schweiz, aber auch mit anderen europäischen Ländern vorgenommen. Der Vergleich mit der ersten Studie dieser Art in der Schweiz von 2002 ermöglicht zudem, Einblicke in den zeitlichen Verlauf zu gewinnen. Ausgangspunkt sind 9'000 zufällig ausgewählte Todesscheine aus der Deutschschweiz, der Westschweiz und dem Tessin. Ärztinnen und Ärzte, die den jeweiligen Todesschein ausgestellt haben, werden befragt, welche medizinischen Massnahmen mit welcher Absicht vor dem Tod eines Patienten getroffen wurden, wie die Entscheidungsprozesse abliefen und wer in diese involviert war.

Bedeutung

Die Studie will mit gesicherten Zahlen ein Fundament errichten zur Orientierung für die ärztliche Praxis, für politische Entscheidungen und für die Entwicklung von Richtlinien, aber auch für die öffentliche Diskussion. Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Bewusstsein von ethischen Aspekten bei ärztlichen Entscheiden am Lebensende führen und dazu beitragen, die Lebensqualität tödlich erkrankter Menschen zu verbessern.

Originaltitel

Medical end-of-life decisions: prevalence and trends in Switzerland

Projektleitung

  • Prof. Dr. med. Milo Puhan, Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention, Universität Zürich
  • Dr. Georg Bosshard, Alterszentrum Oberi, Winterthur
  • Dr. Karin Faisst, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Zürich
  • Prof. Dr. med. Felix Gutzwiller, Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention, Universität Zürich
  • Prof. Dr. Samia Hurst, Institut für biomedizinische Ethik, Universität Genf
  • Dr. Christoph Junker, Sektion Gesundheit, Bundesamt für Statistik, Neuchâtel

Institutionelle Zusammenarbeit

  • Bundesamt für Statistik, Neuchâtel
  • Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Basel
  • End-of-Life Care Research Group, Ghent University & Vrije Universiteit Brussel, Belgium
  • Institut für biomedizinische Ethik, Universität Genf

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. Milo Puhan Universität Zürich
Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention
Hirschengraben 84 8001 Zürich +41 44 634 46 10 miloalan.puhan@uzh.ch

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