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Selbstbestimmung am Lebensende – Recht oder Pflicht?

 

Medizinische Entscheidungen am Lebensende stehen in engem Zusammenhang mit dem Dogma der Selbstbestimmung des Patienten. Dieses Dogma wird in diesem Projekt aus rechtlicher Sicht kritisch beleuchtet. Die Bedürfnisse sterbender Menschen und die Erfahrungen medizinischen Fachpersonals stehen dabei im Zentrum.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Bedeutung der Selbstbestimmung im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlung hat im Verlaufe der vergangenen Jahrzehnte zugenommen. So soll die Patientenverfügung der betroffenen Person ermöglichen, selbst über ihr Lebensende zu entscheiden, auch wenn sie nicht mehr urteils- und einwilligungsfähig ist. Das Projekt geht davon aus, dass die rechtliche Ausgangslage der medizinischen Praxis und der Realität sterbender Patienten nicht in jeder Hinsicht gerecht wird und daher grundlegend zu hinterfragen ist. Dabei soll nicht nur der bisherige Umgang mit der Problematik der Selbstbestimmung überprüft werden. Vielmehr geht es auch darum, Lösungen für den rechtlichen Umgang mit medizinischen Entscheidungen am Lebensende zu erarbeiten, die in Einklang stehen mit der medizinischen und psychischen Realität. Das Projekt definiert auf dieser Grundlage konkrete Regelungsvorschläge zuhanden des Gesetzgebers und formuliert Handlungsanleitungen für nicht juristisch ausgebildetes medizinisches Fachpersonal.

Ziel

Das Projekt arbeitet mit den anerkannten rechtswissenschaftlichen Methoden. Für den Vergleich verschiedener Rechtsvorlagen sollen Erkenntnisse und Erfahrungen anderer Rechtsordnungen genutzt werden. Um besser abschätzen zu können, auf welche praktischen Bedürfnisse die Regulierung reagieren muss, soll empirisch untersucht werden, mit welchen Problemen medizinisches Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen für Schwerstkranke konfrontiert ist.

Bedeutung

Die Ergebnisse des Projekts sind einerseits für den Gesetzgeber, die Behörden und Gerichte von Bedeutung, denn immer öfter werden Entscheidungen über das Lebensende auch auf juristischer Ebene und mit rechtlichen Mitteln ausgetragen. Andererseits sind die Ärzteschaft und das weitere medizinische Personal auf klare Regelungen angewiesen. Sie alle müssen wissen, ob eine Entscheidung nicht nur aus zwischenmenschlicher oder medizinischer Hinsicht sinnvoll erscheint, sondern ob sie auch juristisch abgesichert ist.

Originaltitel

Self-determination at the end of life in the Swiss legal framework: a critical analysis of the legal duty of having to decide for oneself

Projektleitung

  • Prof. Dr. Regina E. Aebi-Müller, Universität Luzern

 

 

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